Herr Thieme, Sie sagen, dass Sie sprichwörtlich
„Feuer & Flamme“ für das Groß- und Multiprojektmanagement sind. Warum ist das
so, brauchen Sie keine Freunde?!??
[lacht] Ja, diese Frage hat man mir schon oft gestellt. Aber ich kann eine Sache bzw. Herausforderung sehr gut vom
Menschen trennen. Das soll heißen: In der Sache stets konsequent und zielorientiert, menschlich dabei fair... So schafft man es auch zu Freundschaften in bzw. trotz diesem Beruf.
Ansonsten reizt mich die tägliche Herausforderung, die Termine, Ziele, das Budget und
die Kapazitäten so „in Schach“ zu halten, dass das Ergebnis pünktlich und erfolgreich zur Verfügung steht und alle Erwartungen des Auftraggebers erfüllt.
Außerdem arbeitet man im Projektmanagement stets mit Teams zusammen, die ein Schmelztiegel unterschiedlichster Skills und Ausprägungen sind, von denen man selbst auch stets hinzulernt und sich
weiterentwickelt.
Und letztlich ist die Bandbreite der Projektherausforderungen sehr spannend und erweitern stetig den eigenen Horizont.
Was kann ein externer Berater denn, was ein eigener Mitarbeiter mit
firmeninterner Erfahrung und dem Wissen, wie es im eigenen Unternehmen läuft, nicht mindestens genauso könnte?
Oder konkret die Frage: Was gibt es überhaupt für einen Grund, Sie als externen Berater mit an Bord zu holen?
Ein Teil der Antwort steckt bereits in Ihrer Frage. Es ist in einigen Punkten genau dieser
„Stallgeruch“, der einen internen Projektleiter ohne externe Unterstützung einschränkt.
Zum einen ist der eigene Mitarbeiter meist durch die Matrixorganisation mehr oder weniger
„gefangen“ und tut sich schwer, in seiner Projektleiterrolle Rechte gegenüber Kolleginnen und Kollegen durchzusetzen, die im Alltag der Linienarbeit ranghöher angesiedelt sind. Dies gilt insbesondere
für die Sicherstellung von Ressourcen-Kapazitäten, Umpriorisierungen, Behandlung von irrealistischen Wünschen und Changes.
Ebenso ist meine Erfahrung, dass interne Mitarbeiter im Eskalationsfall nicht so frei und unbefangen mit Problemen umgehen können, da meist Kolleginnen und Kollegen mit betroffen sind, die am „the
day after“ immer noch Kolleginnen und Kollegen in der täglichen Linienarbeit sein sollen bzw. sind.
Letztlich ist es aber auch die breite und tiefgründige Erfahrung aus unterschiedlichsten
Unternehmen und Branchen, die ein erfahrener Berater mitbringt und dadurch das Lösungsspektrum und den Umgang in selbst kritischsten Projektsituationen zielorientiert und mit der notwendigen
Souveränität sicherstellt.
Sie sind selbstständig und ungebunden. Was spricht denn für Sie im Vergleich
zu einer großen Beratung mit entsprechendem Portfolio an Beraterprofilen?
Wie im generellen Leben gibt es auch unter den Beratern unterschiedlichste Ausprägungen,
Erfahrungen, Ansprüche an die eigene Person und Leistung. Deshalb kann ich diese Frage nicht pauschal beantworten.
Ich kenne aus meiner bisherigen Laufbahn jedoch Situationen, wo die Unabhängigkeit und fehlende „Stallorder“ einer Beratung, die mit "x" weiteren Beratern in einem Unternehmen unterwegs ist, mir bei
meiner konsequenten zielorientierten Projektarbeit sehr geholfen hat!
Ich spreche gern schon einmal von „Matrixopfer light“ in diesem Zusammenhang, wenn ein Berater im Konflikt zu seinen Herausforderungen und Vorgaben des eigenen Arbeitgebers im Gewissenskonflikt zum
aktuellen Projekt beim Autraggeber steckt. Diese Einschränkung habe ich als unabhängiger Berater nicht.
Auch steckt in mir „Unternehmerblut“, denn bereits meine Eltern waren Zeit meines Lebens immer selbstständig, sodass mir Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Ehrgeiz zum Erfolg in die Wiege
gelegt wurden.
Was für Arten von Projekten sind das, wo ein Stephan Thieme die richtige
Wahl ist?
Generell ist die Rolle eines Projektmanagers bzw. Projektcontrollers ein spannender Mix aus
Organisator, Moderator, Motivator, Krisenmanager und Coach. Mit diesem seltenen Skill-Mix kann man fast jedes Projekt erfolgreich zum Ziel (zurück-)führen, da die Herausforderungen an ihn stets
ähnlich sind. Ein Projektmanager hat Erfolg, wenn sein Projektteam erfolgreich ist und jeder mit dem richtigen Skill am richtigen Platz im Projekt verortet ist und mit Herzblut seinen Betrag zum
Projekterfolg beiträgt.
Fatal und kontraproduktiv wäre es, wenn der Projektmanager den Anspruch hätte, in allen Bereichen besser als die eigentlichen Knowhow-Träger in seinem Projekt zu sein. Dann stimmte etwas
nicht.
So habe ich bereits diverse IT-, Schulungs-, Organisations- und Umzugsprojekte entweder
selbst verantwortlich geleitet oder als Stabsstelle des Projektverantwortlichen controlled.
Auch bei den Branchen ist dies weit gefächert. Von Versicherungen, Finanzdienstleistern, Handelsunternehmen, Software-Herstellern bis zu Industrieunternehmen.
Mittlerweile ist es oft eine kritische Projektsituation, die den Erstkontakt zu mir
initiiert, da ich in Projektleiterforen und Austauschgruppen firmenübergreifend als „Red Adair“ für „brennende“ Projekte empfohlen werde. [lacht]
Vielen Dank für die Informationen und ehrliche persönliche Sicht zum
spannenden Umfeld Projektmanagement.
Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und stets alle Meilensteine an der
richtigen Stelle!